Schraffuren
Eine Schraffur Schraffur füllt eine geschlossene Fläche mit einem Muster. Sie zeichnen die Musterlinien nicht selbst: Sie klicken in die Fläche, und LiberoDraft verfolgt die umgebenden Kanten, schliesst daraus den Rand, spart Inseln aus und legt das Muster hinein. Die Schraffur ist ein eigenes Objekt neben Geometrie und Bemassung — sie hat ein Muster, eine Farbe, einen Layer und eine Z-Ebene, und sie merkt sich den Punkt, von dem aus ihre Fläche gesucht wurde.

Diese Seite beschreibt die Zusammenhänge. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen stehen unter Aufgaben, die Befehle unter Schraffieren und Schraffur-Einstellungen, die Felder unter Dialog Schraffur-Einstellungen, die Meldungen unter Meldungen zur Schraffur.
Flächensuche und Saatpunkt
Der Punkt, an dem Sie klicken, heisst Saatpunkt. Von ihm aus sammelt das Programm die Kanten in der Umgebung, verbindet Endpunkte, die innerhalb der Toleranz zusammenfallen, zu Knoten und sucht den geschlossenen Umlauf, der den Saatpunkt am engsten umschliesst. Kreuzende Kanten werden an ihren Schnittpunkten geteilt; Sackgassen, die nirgends anschliessen, fallen weg. Enthält die Zeichnung Blöcke, beginnt die Suche in einem Kasten um den Klickpunkt und weitet ihn so lange, bis der gefundene Rand den Kasten nicht mehr berührt — das Ergebnis ist dasselbe wie eine Suche über die ganze Zeichnung, nur schneller.
Als Rand kommen in Frage:
- Linien , Bögen , Kreise , Rechtecke , Polylinien , Splines und Ellipsen .
- Elemente aus Blöcken: Blöcke werden für die Suche aufgelöst, auch wenn sie verschachtelt sind. Sie müssen einen Block nicht explodieren, um eine Fläche darin oder daran zu schraffieren.
- Nur sichtbare Elemente auf sichtbaren Layern. Was ausgeblendet ist, begrenzt keine Fläche.
Nicht als Rand zählen:
- Kleine Kreise bis zum Radius im Feld Punktmarken r ≤ — sie gelten als Punktmarken (Konstruktions- oder Positionsmarken) und werden nicht umlaufen. Mit 0 zählt jeder Kreis.
- Gestrichelte, punktierte und strichpunktierte Linien, sobald Nur durchgezogene Linien als Begrenzung eingeschaltet ist — auch dann, wenn der Linientyp vom Layer stammt. Damit stören Mittellinien und Hilfslinien die Suche nicht.
- Texte, Bemassungen, Bilder, Hinweispfeile und andere Beschriftungen.
Die Toleranz bestimmt, wie weit zwei Endpunkte auseinanderliegen dürfen und trotzdem als verbunden gelten. Ab Werk sind es 0.05 mm. Grössere Werte helfen bei tangentialen Berührpunkten, etwa wo ein Bogen eine Linie nur streift; zu grosse Werte verschmelzen Punkte, die getrennt bleiben sollten.
Nur sichtbarer Bereich
Ab Werk ist Nur sichtbarer Bereich (schneller) eingeschaltet. Dann berücksichtigt die Suche nur Elemente im Bildausschnitt (mit einem kleinen Rand darum). Bei grossen Zeichnungen macht das die Randsuche um Grössenordnungen schneller.
Mit dieser Option muss die gesamte zu füllende Fläche im Bild liegen. Ragt sie über den Bildrand hinaus, fehlen Randkanten und das Programm meldet Keine geschlossene Fläche im sichtbaren Bereich. Zoomen Sie heraus oder schalten Sie die Option im Dialog aus.
Die Option wirkt auch auf die Nachführung: Schraffuren ausserhalb des Bildes werden nicht neu berechnet, und eine Schraffur, deren Rand nicht mehr gefunden wird, bleibt mit ihrer alten Kontur stehen — der Rand könnte ja nur ausserhalb des Bildes liegen.
Inseln
Geschlossene Formen innerhalb des Randes sind Inseln und bleiben frei, solange Inseln aussparen eingeschaltet ist (Werkeinstellung). Als Insel erkennt das Programm:
- selbst geschlossene Elemente — Kreise, Rechtecke, geschlossene Polylinien, geschlossene Splines und Ellipsen;
- geschlossene Schleifen aus mehreren Elementen, etwa ein Langloch aus zwei Linien und zwei Bögen oder eine Nierenform.


Die Statuszeile nennt nach dem Anlegen die Anzahl der gefundenen Inseln, zum Beispiel Schraffur erstellt: ANSI31 (5 Inseln). Eine Insel muss mit ihrem Schwerpunkt und dem grössten Teil ihrer Punkte innerhalb des Randes liegen; eine Form, die den Rand selbst bildet, wird nicht zur Insel.
Erkennt die Automatik eine Insel nicht — zum Beispiel weil sie aus Kanten besteht, die nur mit der Toleranz zusammenfinden —, wählen Sie die manuelle Flächendefinition und klicken die Inselkontur dort einzeln an.
Muster
Das Muster wählen Sie im Feld Muster: des Dialogs. Jedes Muster ist eine Definition aus Art, Winkel, Abstand, Farbe, Linienstärke und Linientyp; ändern Sie diese Felder, ändern Sie die Definition — sie gilt dann für alle neuen Schraffuren mit diesem Muster und wird mit den Programmeinstellungen gespeichert. Bestehende Schraffuren behalten ihre Werte; sie ändern Sie im Panel Eigenschaften.

| Muster | Art | Werkeinstellung |
|---|---|---|
| ANSI31 | Einfache Schräglinien | 45°, Abstand 5 |
| ANSI32 | Einfache Schräglinien, eng | 45°, Abstand 2.5 |
| ANSI37 | Einfache Schräglinien, gegenläufig | 135°, Abstand 5 |
| DOPPEL | Pakete aus zwei Linien | 45°, Abstand 5, Paketabstand 1.5 |
| DREIFACH | Pakete aus drei Linien | 45°, Abstand 5, Paketabstand 1.5 |
| DAEMMUNG | Dämmstoff-Schlangenlinie | Abstand 10 |
| CROSS | Kreuzschraffur (zwei Richtungen im rechten Winkel) | 45°, Abstand 5 |
| SOLID | Vollfläche | Deckend in der Musterfarbe, Deckkraft einstellbar |
Bei DOPPEL und DREIFACH erscheint im Dialog zusätzlich das Feld Paketabstand: — der Abstand der zwei bzw. drei Linien innerhalb eines Pakets. Bei den übrigen Mustern ist das Feld ausgeblendet. Die Musternamen sind branchenübliche, generische Bezeichnungen ohne Lizenzbindung.
Winkel, Abstand und Nullpunkt
Der Winkel dreht das ganze Muster; 45° ist die übliche Werkeinstellung, 135° ergibt die gegenläufige Schrägung für ein zweites Bauteil im Schnitt, 0° waagerechte und 90° senkrechte Linien. Der Abstand ist der Abstand benachbarter Musterlinien. Kleinere Werte ergeben ein dichteres Bild.

Der Abstand gilt in den Einheiten des Raums, in dem die Schraffur liegt: im Modellbereich in Zeichnungseinheiten (mm des Modells), im Ansichtsfenster in Millimetern auf dem Papier — dort wird er nicht mit dem Massstab des Fensters skaliert, denn die Schraffurdichte ist eine Eigenschaft des Blattes, nicht des Bauteils.
Der Nullpunkt (Nullpunkt X: und Nullpunkt Y:) ist der Bezugspunkt des Linienrasters. Alle Schraffuren mit gleichem Winkel, gleichem Abstand und gleichem Nullpunkt liegen auf demselben Raster — zwei nebeneinanderliegende Flächen gehen dann nahtlos ineinander über, als wären sie eine. Ab Werk ist der Nullpunkt der Weltnullpunkt 0/0. Im Dialog gilt er zeichnungsweit; im Panel Eigenschaften können Sie einer einzelnen Schraffur einen eigenen Nullpunkt geben (leer = zeichnungsweite Vorgabe), um sie gezielt gegen ihre Nachbarn zu versetzen.

Farbe, Linienstärke, Deckkraft, Layer und Z-Ebene
| Einstellung | Wirkung |
|---|---|
| Farbe | Farbe der Musterlinien beziehungsweise der Vollfläche. Teil der Musterdefinition; im Panel je Schraffur änderbar. |
| Linienstärke | Stärke der Musterlinien am Bildschirm in Pixeln. Beim Drucken gilt stattdessen die Liniendicke in mm aus dem Druckdialog. |
| Linientyp | Ausgezogen, gestrichelt oder punktiert — nicht bei SOLID. |
| Deckkraft | 100 % deckt vollständig, kleinere Werte lassen Raster und Geometrie durchscheinen. Im Dialog gilt der Wert für alle Schraffuren der Zeichnung; ein im Panel gesetzter Wert hat für diese Schraffur Vorrang. |
| Layer | Neue Schraffuren kommen auf den im Dialog gewählten Layer, ab Werk den aktiven Layer. Die Schraffur folgt der Sichtbarkeit ihres Layers. |
| Z-Ebene | Neue Schraffuren erhalten die aktuelle Zeichen-Z-Ebene aus der Kopfzeile. Die Ebene einer bestehenden Schraffur ändern Sie im Panel Eigenschaften oder — bei ausgewählter Schraffur — mit PgUp und PgDn. Negative Ebenen legen die Schraffur hinter die Geometrie. |
Alle Schraffuren zusammen blenden Sie in der Palette Layer über die Systemzeile Schraffuren ein und aus; in einem Ansichtsfenster lassen sich Schraffuren zusätzlich je Fenster ausblenden.

Auswählen, Verschieben, Löschen
Im Werkzeug Auswählen klicken Sie in die schraffierte Fläche (nicht in eine Insel), um die Schraffur auszuwählen. Geometrie und Bemassung unter dem Zeiger haben Vorrang, Bilder stehen hinter der Schraffur zurück. Die ausgewählte Schraffur wird bläulich hinterlegt, ihr Rand und ihre Inselkonturen werden hervorgehoben, und das Panel Eigenschaften zeigt ihre Werte. Beim Überfahren mit dem Zeiger leuchtet nur der Rand auf. Auch das Gummiband und die Elementliste wählen Schraffuren aus.
Eine ausgewählte Schraffur zeigt ihren Saatpunkt als schwarzes Quadrat:

- Ziehen Sie das Quadrat in eine andere Kammer, wird die Fläche dort neu gesucht: die Schraffur wandert.
- Halten Sie beim Loslassen Ctrl gedrückt, bleibt die Schraffur stehen und am Ablageort entsteht eine neue Schraffur mit denselben Einstellungen. Das ist der schnellste Weg, mehrere gleichartige Flächen zu füllen.
- Liegt am Ablageort keine geschlossene Fläche, springt der Punkt zurück.
Del löscht ausgewählte Schraffuren. Ctrl + C und Ctrl + V kopieren Schraffuren zusammen mit den Elementen, in denen sie liegen. Wird ein Block aus Elementen mit Schraffur gebildet, wandert die Schraffur in den Block; ein ausgeblendeter Block nimmt seine Schraffuren mit.
Mit Abgreifen [J] in der Kopfzeile übernehmen Sie Muster, Layer und Deckkraft einer bestehenden Schraffur als Vorgabe für die nächsten Schraffuren: Abgreifen einschalten, in die Schraffur klicken.
![Der Button «Abgreifen [J]» in der Kopfzeile](../bilder/de/d_abgreifen.png?v=3.0.53)
Nachführung bei Geometrieänderungen
Eine automatische Schraffur merkt sich ihren Saatpunkt, nicht den fertigen Rand. Ändern Sie die umgebende Geometrie — verschieben, strecken, trimmen, eine Bohrung hinzufügen —, sucht das Programm die Fläche vom Saatpunkt aus neu, und die Schraffur wächst oder schrumpft mit. Eine neu gezeichnete Linie quer durch eine Schraffur teilt sie: die Schraffur bleibt auf der Seite des Saatpunkts.
Sonderfälle:
- Schieben Sie eine Insel über den Saatpunkt, wäre die Insel die nächste geschlossene Fläche um den Punkt. Das Programm erkennt das daran, dass der neue Rand ganz im alten liegt und viel kleiner ist, und sucht von einem Ersatzpunkt in der alten Fläche weiter — die Schraffur bleibt auf der Fläche statt in die Bohrung zu springen.
- Ist der Rand nicht mehr geschlossen, wird die Schraffur entfernt — ausser Nur sichtbarer Bereich (schneller) ist eingeschaltet: dann bleibt sie mit ihrer alten Kontur stehen, weil der fehlende Rand auch ausserhalb des Bildes liegen könnte.
- Manuelle Schraffuren werden nicht nachgeführt; ihre Kontur ist eine Momentaufnahme.
- Durch-Schraffuren werden nachgeführt, sobald das Blatt gebraucht wird (Anzeige, Druck, DXF); im Modellbereich kostet die Bearbeitung nichts.
Manuelle Flächendefinition
Findet die Automatik eine Fläche oder Insel nicht, geben Sie den Rand selbst an: Flächendefinition: Manuell im Dialog. Der Fangmodus springt auf FREI; Sie klicken die Konturelemente einzeln an — auch kreuzende Elemente, das Programm verwendet die passenden Teilstücke. Sobald sich eine Fläche schliesst, wird sie halbtransparent in der Musterfarbe eingefärbt; weitere Schleifen innerhalb werden zu Inseln und gestrichelt umrandet. Ein zweiter Klick auf ein Element nimmt es wieder aus der Auswahl.
![[[Manuelle Fläche]] im Ablauf: vier Aussenkanten und die mittlere Bohrung sind gewählt; die Fläche ist geschlossen, die Bohrung ist Insel.](../bilder/de/c_schraffur_manuell.png?v=3.0.53)
Enter oder der Button Schraffieren (Enter) legt die Schraffur an; Esc oder Abbrechen (ESC) verwirft die Auswahl. Der Modus bleibt danach auf Manuell, sodass Sie sofort die nächste Fläche wählen können; Automatisch beendet ihn. Die manuelle Schraffur zeigt kein Saatpunkt-Quadrat und wird bei Geometrieänderungen nicht nachgeführt.
Im Papierbereich dürfen die Konturelemente auch aus dem Modell stammen: Klicken Sie durch ein Ansichtsfenster auf Modellgeometrie, entsteht eine manuelle Durch-Schraffur. Eine Kontur kommt immer aus einem Raum — der erste Treffer legt ihn fest.
Schraffur im Ansichtsfenster
Im Papierbereich schraffieren Sie durch ein Ansichtsfenster hindurch: Klicken Sie im Werkzeug Schraffur in eine Fläche, die im Fenster sichtbar ist. Das Programm prüft zuerst, ob um den Klick eine geschlossene Fläche aus Blattgeometrie liegt — ein Rechteck, das Sie über dem Fenster aufs Blatt gezeichnet haben — und schraffiert diese. Umschliesst die Blattfläche das ganze Fenster (ein Zeichnungsrahmen), greift die Suche ins Modell durch. Eine solche Durch-Schraffur führt ihren Rand in Modellkoordinaten und zeigt auf dem Blatt die projizierte Fassung.

- Der Abstand gilt in Papier-mm und wird nicht mit dem Massstab skaliert.
- Ändert sich das Modell, wird der Rand nachgeführt, sobald das Blatt angezeigt, gedruckt oder exportiert wird.
- Beim Anklicken einer Durch-Schraffur weist die Statuszeile darauf hin, dass die Schraffur und nicht das Fenster gewählt wurde; das Fenster wählen Sie über seinen Rahmen.
- Der Saatpunkt lässt sich nur innerhalb des Fensters versetzen; Ctrl erzeugt wie im Modell eine Kopie.
- Wird das Ansichtsfenster gelöscht, kann die Schraffur nicht mehr nachgeführt werden.
Drucken und DXF
Beim Drucken gilt für Schraffurlinien eine eigene Liniendicke in Millimetern — Feld Schraffuren: im Abschnitt Liniendicken (mm) des Druckdialogs, ab Werk 0.1 mm. Schraffuren werden üblicherweise dünner gedruckt als die Geometrie (0.1 bis 0.25 mm).
Beim DXF-Export wählen Sie im Optionsdialog, wie Schraffuren geschrieben werden: als Block (ein Griff, exaktes Abbild) oder als Schraffur-Objekt (kleiner, im Ziel-CAD umstellbar) — das native HATCH-Objekt, dessen Muster im Ziel-CAD geändert werden kann.
Bekannte Grenzen
- Eine zur Aussenkante hin offene Tasche ist geometrisch nicht von einer echten Unterbrechung des Randes zu unterscheiden. Die Schraffur folgt weiterhin ihrem Saatpunkt; bei Bedarf geben Sie den Rand manuell an.
- Der Rand muss innerhalb der Toleranz geschlossen sein. Bleibt eine Fläche leer, ist er meist an einer Ecke offen — auf die Ecken zoomen und die Endpunkte mit dem Fangmodus Endpunkt prüfen.
- Mit Nur sichtbarer Bereich (schneller) muss die ganze Fläche im Bild sein.
- Elemente in Blöcken lassen sich als Rand nutzen, die Schraffur selbst liegt aber ausserhalb des Blocks. Soll die Schraffur zum Block gehören, legen Sie sie im Block-Editor an oder bilden den Block aus Elementen und Schraffur zusammen.
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- Schraffur
- Schraffur-Einstellungen
- Dialog Schraffur-Einstellungen
- Meldungen zur Schraffur